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neues wohnen - lechgasse

direktauftrag:
1998

bauherr:
enw

planung /
ausführung:
1998-2005

wohneinheiten:
geplant: 21 we + café
ausgeführt: 6 we, 3 alten-wg's, büros, café

bearbeiter:
pfeifer / bodlos / schilcher

fotos:
kramer

im rahmen der wohnbauforschung am institut für wohnbau der tu graz, fakultät für architektur und mit unterstützung der steiermärkischen landesregierung wurden drei forschungsprojekte für neue europäische wohnformen realisiert.

während das projekt graz-plabutscherstraße teil des europäischen forschungsprojektes "wohnbau haltbar bis - housing best before" und der kategorie "urbaner flachbau" zuzuordnen ist, verfolgen die beiden projekte "neues wohnen - leechgasse" und "future housing - sandgasse" neue ansätze im geschoßwohnungsbau und wurden in meinem büro bearbeitet.

das projekt leechgasse mit planungsbeginn 1998 basiert auf den erkenntnissen eigener forschungsarbeiten und entspricht ebenso denjenigen, die im rahmen des 1. grazer wohnbaukongresses 1999 erarbeitet wurden.

das viergeschoßige projekt ist die ergänzung einer „halben“ gründerzeitvilla zu einer „ganzen“. es ist aufgebaut auf einem stützenraster, der größtmögliche flexibilität hinsichtlich wachsen und schrumpfen im familienzyklus bzw. bezüglich der arbeitsstruktur zulässt. ausgehend von kleinen grundmodulen und deren addition bzw. subtraktion für wohnen, arbeiten und generationenwohnen sind vielfältigste kombinationen möglich. die erschließung ist als großzügiger kommunikationsbereich formuliert, an ihn angedockt sind boxen, die multifunktional zu verwenden sind, für die bewohner, aber auch für interessenten von außen.

die küchen und essplätze sind vom schwellenbereich aus zugänglich. für alle module ist eine umfangreiche mediale ausstattung vorgesehen, büros für dienstleistungen, praxen und ein internetcafe ergänzen das angebot. hinsichtlich der serviceleistungen für den alltag, auch im sozialen bereich, ist das projekt an das sbz graz angeschlossen.

das projekt ging leider nicht in dieser form in die realisierungsphase, es musste auf wunsch des bauträgers einige male umgeplant werden.um jedoch dem vorhin aufgezeigten ansatz eines forschungsprojektes gerecht zu werden, wurde letztendlich das projekt in der realisierungsphase vom sbz graz angemietet.

heute beinhaltet das projekt neues wohnen leechgasse soziale einrichtungen, zwei sozialstationen - das sbz graz (sozial- und begegnungszentrum) und smp (sozialmedizinischer pflegedienst) - sowie den verein pro mente, drei senioren- wohngemeinschaften und wie ursprünglich vorgesehen arbeiten und ein café mit mittagstisch für senioren, auch als kommunikativer treffpunkt für jung und alt ausgelegt.

anhand dieser drei forschungsprojekte sollen auch rückschlüsse auf die wohnbauförderungsgebarung gezogen werden. die erfahrung bis jetzt zeigt, dass die bestehenden förderungsrichtlinien für neue, den gesellschaftsstrukturellen änderungen entsprechende konzepte zu überarbeiten sind.die erfahrung zeigt auch, dass die entwicklung von modellen, die neue wege im wohnen für die nächste zukunft gehen, mit großem aufwand verbunden sind und sowohl die wohnungspolitik als auch die wohnungswirtschaft noch zu wenig verständnis und bereitschaft zur veränderung herkömmlicher einstellungen hat.

2018  architekturbüro tschom univ. prof. architekt di dr. techn