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umbau wohnhaus mit atelier

direktauftrag

bauherr:
tschom
 
planung /
ausführung:
1992-1995

bearbeiter:
egger / conrad
 
wohneinheiten:
6  we
 
fotos:
eder / jungwirth

bei diesem projekt habe ich mich der wohl schwierigsten aufgabe gestellt, nämlich als architekt für mich selbst wohn- und arbeitsraum zu schaffen.

obwohl oder vielleicht gerade weil ich in der kleinen gemeinde zams in tirol in untermiete auf einem bauernhof aufgewachsen und von dort mit 18 jahren geflüchtet bin, bin ich ein absolut urbaner mensch und benötige lebensraum in einer urbanen struktur.

1987 bot sich die gelegenheit ein dreigeschossiges kleines gründerzeitobjekt inmitten ausgedehnter gründerzeitbebauung zu erwerben.das objekt liegt zentral in unmittelbarer nähe zur technischen universität graz (tug) nahe dem stadtpark und dem zentrum im bezirk st. leonhard. in ihm liegt neben der tug auch die kunst-universität. der bezirk ist infrastrukturell gut ausgestattet, speziell im nahbereich der tug. bevölkerungsmäßig hat er einen hohen anteil an studenten, universitätsangehörigen, ausländern und auch älteren menschen.  einkommensmäßig sind alle schichten vertreten.

das haus liegt zwischen zwei eckhäusern in der alberstraße und ist südseitig auf einen kleinen innenhof mit baumbestand orientiert. dem haus ist ein kleiner garten zugeordnet.

beim umbau einer großen gründerzeitwohnung 1975 im nachbarhaus, in der ich bis zum umzug in die alberstraße im jahre 1994 wohnte und auch an die wohnung angeschlossen mein büro hatte, habe ich die flexibel gestaltbare nutzung bei gründerzeitbauten schätzen gelernt. die zonen zwischen außenwand und mittelwand sind frei gestaltbar, dieses system der zonierung verwende ich seither auch häufig bei meinen wohnanlagen.

im neuen objekt war das zweite geschoss frei, das dachgeschoss ebenso. der entwurfsprozess gestaltete sich äußerst schwierig und langwierig, da der erste ansatz, eine loftstruktur über das haus zu stellen, sowie weitere ansätze, die das neue auch in der dachlandschaft zum ausdruck bringen sollten, durch die zuständigen ämter abgelehnt wurden. begründet wurde dies durch die lage des hauses in der altstadt-schutzzone 3.

durch die möglichkeit das dach straßenseitig geringfügig anheben und hofseitig aufstocken zu können, entstand der ansatz ein haus in das haus bzw. auf das haus zu stellen.

das konzept sieht vor, das haus vertikal in drei klimazonen zu schichten, in eine kühle im zweiten obergeschoss im altbau, eine gemäßigte im dritten obergeschoss in der aufstockung und eine heiße, in form einer großen dachterrasse mit angeschlossenem wintergarten für die übergangszeit über dem dritten obergeschoss, von der mittelwand aus hofseitig gelegen.

im zweiten obergeschoss, dem im anschluss an die küche und den essplatz eine terrasse dazugestellt wurde, liegt die stammwohnung. im dritten obergeschoss liegt nordseitig das atelier mit galerie, südseitig der bereich der kinder, das atrium wird von beiden teilen genützt. in das tiefparterre wurde straßenseitig und von dort direkt zugänglich ein großer besprechungs- und wettbewerbsraum gelegt, daneben ein archiv. die gartenseitige zone dient nutzungen verschiedener art.

das raumkonzept ist auf offenheit und flexibilität ausgerichtet. die nord- und südzone im bestand wurde freigelegt, die funktionsbereiche sind in form von 2,2 meter hohen boxen in die 3,2 meter hohen raumzonen gestellt. dadurch wird der offene charakter noch verstärkt.

alle drei geschosse, sowie die vier freibereiche inkl. garten vermitteln eine stark unterschiedliche atmosphäre bzw. verschiedenes befinden.

da ich architektur lebe, war es mir wichtig, beides, wohnen und das atelier, in einem haus zu haben, mehr noch, einen fließenden übergang zwischen diesen beiden bereichen und den freibereichen zu schaffen.

mein leben im haus findet überwiegend im atelier statt. daher war es zwar ungewöhnlich, aber für mich stimmig den kinderbereich auf dieselbe ebene wie das atelier zu legen. auf diese art ist ein gegenseitiger austausch gegeben.
der formale ansatz ist puristisch. bei der entwicklung der details war mir vor allem daran gelegen, die grenzen des materials auszuloten. die treppe in stahl mit glasstufen, transparent gehalten und materialmäßig bis an die grenze geführt, wurde so angelegt, dass die breiten podeste zusätzliche aufenthaltsorte bilden. von ihnen aus werden andere interessante blickbeziehungen durch den offenen raum und in die freibereiche bzw. in den hof ermöglicht.

von der zentralen lage in urbaner umgebung, vom wohn- und arbeitsmilieu aus betrachtet, ist die situation mit hoher persönlicher zufriedenheit verbunden. wohn- und arbeitsbedürfnisse sind jedoch einem steten wandel unterworfen, ein großzügiges loft in dieser lage, freier gestaltbar, ähnlich dem ersten ansatz, würde meinen heutigen bedürfnissen wahrscheinlich noch gerechter werden.

2018  architekturbüro tschom univ. prof. architekt di dr. techn